Die Dynamik der Freude

Die Dynamik der Freude

Von einem stadtbekannten Geizhals wird erzählt, er sei aufgefordert worden:
„Komm, überwinde dich und gib mal einem Obdachlosen 10 Euro und schau,
was passiert.“ Der Geizhals ließ sich aus Neugier überreden und tat, wie ihm
empfohlen war. Als er zurückkam, lachte er wie schon lange nicht mehr. „Stellt
euch vor, ich habe ein strahlendes Lächeln geerntet wie nicht mal bei meiner
großen Jugendliebe damals. Das wäre glatt einen 20er wert gewesen!“

Ein Spruch, den ich als Kind oft von meinem Vater gehört und verinnerlicht
habe, lautet: „Denn die Freude, die wir schenken, kehrt ins eigne Herz
zurück“. Da muss was dran sein! Schauen wir mal genau hin: Wir modernen
Menschen beurteilen gern alles nach der Kosten-Nutzen-Analyse: Was muss ich
aufwenden und welchen Ertrag kann ich dadurch erzielen? Oder platt gesagt:
Was habe ich davon? Der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief Kapitel
9,6-15: „Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, wer sät im Segen,
der wird auch ernten im Segen“. Im griechischen Urtext heißt es: „Wer
sparsam, wer mit Berechnung sät, wird auch sehr spärlich ernten“. Dies gilt
insbesondere für das Saatgut „Freude“. Je großzügiger und ohne Berechnung
wir Freude aussäen, desto mehr werden wir ernten. Darum ist es sinnvoll zu
überlegen, wie ich mit meiner Zeit und meiner Kraft, aber auch mit meinen
(Geld-)Mitteln und meinen Möglichkeiten anderen Menschen Freude machen
kann.

Einen Kreislauf in Gang setzen

Der Apostel Paulus ermuntert darin zur Großzügigkeit. Er zeigt einen Kreislauf:
Gott hat uns Menschen das Leben geschenkt und versorgt uns mit dem zum
Leben Notwendigen. Aus dem Glauben an Gott empfinden wir Dankbarkeit,
denn das, was wir sind und haben, verdanken wir dem Schöpfer. Eine dankbare
Grundhaltung bewirkt in uns Freude. Freude wiederum drängt danach,
weitergegeben zu werden. So versuchen wir mit dem, was Gott uns geschenkt
hat, unseren Mitmenschen Freude zu machen. Diese erkennen als Motivation
für unser Schenken unsere Dankbarkeit gegenüber dem Schöpfer. Und so
nehmen sie unsere Gaben und Gesten dankbar entgegen und fangen an, darin
auch Gott zu loben, denn von ihm kommt ja alles her. Ihr Lobpreis mündet
wieder zu Gott ein. Der Kreis schließt sich. Genial, wie der Apostel Paulus das
erkennt. Eine richtige Dynamik entsteht.

Lassen wir uns doch einfügen in die „Dynamik der Freude“. Teilen wir aus, so
wie ein Kind. Haben Sie schon einmal beobachtet, was ein zweijähriges Kind
mit einer Tüte Schokoladenstückchen macht? Es nimmt eins heraus, steckt es
in den Mund, freut sich darüber und reicht die Tüte an die umstehenden
Erwachsenen weiter und freut sich noch mal, wenn es sieht, wie die
Erwachsenen sich freuen, wenn sie Schokolade essen. „Denn die Freude, die
wir schenken, kehrt ins eigene Herz zurück.“ Oh ja!

Pfr. Bernd Töpfer, Marktheidenfeld. In: Pfarrbriefservice.de

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