Papst: Kein Job wie jeder andere

Nun ist es so weit: Die Kardinäle sind im Konklave, um voraussichtlich einen der ihren zum nächsten Papst zu wählen. 118 Purpurträger entscheiden darüber, wer die Geschicke der katholischen Kirche im kommenden Jahrzehnt und womöglich darüber hinaus als ‚Stellvertreter Gottes auf Erden‘ lenken wird.

Welche Anforderungen an den neuen Vatikanchef gestellt werden können, hat beispielsweise Alexander Brüggemann von der Katholischen Nachrichtenagentur formuliert:

Die Stellenausschreibung 2013 für den CEO der katholischen Kirche mit ihren 1,2 Milliarden Mitgliedern ist denkbar undankbar: Möglichst jung und energisch soll er sein, dialogfähig und führungsstark, intellektuell und anpackend, progressiv und konservativ, charismatisch und fromm, sprachgewandt und telegen, theologisch wie politisch versiert, ein Experte für Verwaltung, modern und global anschlussfähig; gute Singstimme, mittlere Kleidermaße. Vor allem aber soll er die vatikanische Kurie von Grund auf reformieren. Ein Mann von außen also? Allerdings darf er auch keine Zeit damit verlieren, den Laden erst kennenlernen zu müssen.

Mag ja sein, dass diese eigentlich kaum zu erfüllende Auflistung von sowohl-als-auch Merkmalen, Fähigkeiten und Eigenschaften, die ein neuer Papst haben sollte, dem tatsächlichen Anforderungsprofil eine grobe Richtung gibt. Die entscheidende Frage scheint aber ausgeblendet: Wen hat der neue Papst im Blick, wem vor allen anderen gibt er Rückhalt und Mut? Wer Lukas 18, 18-25 liest, erkennt, um wen es Jesus vor allem ging:

Einer von den führenden Männern fragte ihn: Guter Meister, was muss ich tun, um das ewige Leben zu gewinnen? Jesus antwortete: Warum nennst du mich gut? Niemand ist gut außer Gott, dem Einen. Du kennst doch die Gebote: Du sollst nicht die Ehe brechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht falsch aussagen; ehre deinen Vater und deine Mutter!  Er erwiderte: Alle diese Gebote habe ich von Jugend an befolgt. Als Jesus das hörte, sagte er: Eines fehlt dir noch: Verkauf alles, was du hast, verteil das Geld an die Armen und du wirst einen bleibenden Schatz im Himmel haben; dann komm und folge mir nach!  Der Mann aber wurde sehr traurig, als er das hörte; denn er war überaus reich. Jesus sah ihn an und sagte: Wie schwer ist es für Menschen, die viel besitzen, in das Reich Gottes zu kommen! Denn eher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt.

Worum also soll es jedem Christen, also auch und vor allem einem Papst gehen: Gott lieben, die Ehe achten, nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, die Eltern wertschätzen und vor allem: den Armen helfen. Da ist kein Wort davon, Hierarchien in den Vordergrund zu stellen, Rituale zu stilisieren oder Inszenierungen zu pflegen. Primär erwartungsfreie Zuwendung ist gefragt und zwar denen gegenüber, die sonst Not oder Mangel leiden. Joseph Kardinal Cardijn. würde er heute noch leben, wäre da absolut unzweideutig. Salbungsvolle Worte vom Balkon aus oder aus dem Papamobil reichen eben nicht.

Die katholische Welt braucht nach dem Rücktritt von Benedikt XVI. einen neuen Papst. Beten wir, dass der Heilige Geist den wählenden Kardinälen eingibt, den zu wählen, der Gott, unserer Kirche und den Menschen, vor allem den Benachteiligten, am meisten nützt.

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